18.03.2016, 20.15 Uhr

Operation Erdklima

Die globale Erwärmung schreitet bislang unaufhaltsam voran. Wissenschaftler erforschen nun großtechnische Eingriffe, um das Klima abzukühlen. Umstrittene Radikalkuren als Not-Rettung.

Es ist Geo- oder Climate Engineering, wenn Unmengen Chemikalien in Wolken gesprüht werden, um Sonnenstrahlen abzulenken. Experimente, wie künstlich beschleunigtes Algenwachstum zur Reduzierung von CO2 gibt es bereits. Aber sind die Risiken auch kalkulierbar?

Ein spezielles Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft analysiert unterschiedlichste Vorschläge. „Je genauer wir hinschauen, desto mehr Probleme sehen wir“, betont Prof. Andreas Oschlies. Der Ozeanograf ist Spezialist für Klimamodelle am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Er koordiniert das Climate Engineering Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ideen, wie Spiegel in der Erdumlaufbahn, die Sonnenlicht in den Weltraum zurückstrahlen, hält er für „Science Fiction“. Anders dagegen chemisch-physikalische Eingriffe, die tatsächlich relativ schnell die Erde abkühlen könnten.CO2_Spezialfilter

Modellrechnungen zeigen, dass sich dabei möglicherweise auch Trockengebiete und Niederschlagszonen auf dem Globus deutlich verschieben. Das birgt länderübergreifendes Konfliktpotential, soviel, dass zunächst eine gesellschaftliche und politische Debatte dringend gefordert ist, stellt die planet e. Doku fest. Andere Wissenschaftler sind da radikaler. Wir Menschen haben die Atmosphäre und damit das Klima längst verändert, man müsse trotz aller Gefahren auch weiterdenken. Climate Engineering soll danach eine Option sein, um der Menschheit notfalls weitere Jahre zum Handeln zu erkaufen. Mehr Geduld erfordert ein Verfahren, das mit technischen Mitteln klimaschädliches Kohlendioxid direkt aus der Atmosphäre herausfiltern soll. Daran forscht der Deutsch-Amerikaner Prof. Klaus Lackner von der Arizona State University. Drohnen_Pflanzen„Gleichzeitig müssten Mineralölgesellschaften verpflichtet werden, das rückgeholte CO2 sicher zu lagern“, so Lackner. Eine Vision an der er hart arbeitet. Und es gibt andere Visionen, wie die eines ehemaligen NASA-Wissenschaftlers. Er testet mit seinem Start-Up Unternehmen in Oxford City gerade Flug-Drohnen, die pflanzen können. Eine Milliarde Bäume pro Jahr will er so aufforsten und dann nachhaltig bewirtschaften lassen. Die ZDF-Umweltdokumentation „planet e.“ zeigt, wie Klima-Ingenieure operieren.

 

Flucht vor dem Klimawandel

Mit bis zu 350 Millionen Klimaflüchtlingen rechnet die UN bis 2050 weltweit. planet e. forscht nach: in Bangladesch und im Senegal. Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage – durch Klimawandel und andere Umwelteinflüsse.

villagers stand in flood water, beside their marooned houses at jafragonj, 40 kilometers (25miles) north of dhaka, bangladesh, sunday, sept. 7, 2008. thousands of villagers have been displaced due to floods in northern bangladesh.

Hilfsorganisationen schätzen die aktuelle Zahl der Klimaflüchtlinge weltweit auf mindestens 25 Millionen Menschen. Aufgrund von Naturkatastrophen, Wüstenbildung und Verkarstung fliehen mehr Menschen aus ihrer Heimat als wegen politischer Konflikte.

Dass Menschen in ihrer Heimat nicht mehr leben können, haben auch die westlichen Industriestaaten mit zu verantworten. Der Klimawandel sorgt für Dürren, steigende Meeresspiegel und Sturmfluten. Fruchtbares Land wird zweckentfremdet, Wasser den Bauern entzogen, Fischgründe ausgebeutet. planet e. hat im Senegal und in Bangladesch nachgeforscht: Warum müssen Menschen ihre Heimat verlassen? Wo gehen sie hin – und welche Perspektiven haben sie?

Koko Warner von der UN-Universität Bonn versucht genau das herauszufinden. Sie ist regelmäßig in Bangladesch vor Ort. Dort trifft sie Familien, die aus Überschwemmungsgebieten in die Slums der Hauptstadt gezogen sind. Diese Menschen haben es besonders schwer – weil sich verändernde Umweltbedingungen nicht als Asylgrund akzeptiert sind.

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Überschwemmungen sind aber nicht nur ein Problem in Asien. Auch die Westküste Afrikas ist bedroht – so verschwinden im Senegal ganze Dörfer und Felder im Meer. Offiziell gilt der Senegal als „sicheres Herkunftsland“ – dabei haben die Menschen hier mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, die nicht hausgemacht sind. Die Küstengewässer sind leergefischt, weil die Regierung die Fischereirechte an europäische und japanische Firmen verkauft hat, die mit riesigen Trawlern auf Fangzug gehen. Die zahlreichen Fischerdörfer sterben nach und nach aus. Riesige Ländereien werden an internationale Konzerne verpachtet – oft wird dann Öl produziert, ebenfalls für die Märkte der Industrienationen. Dabei wird der ganzen Umgebung Wasser entzogen. Kleinbauern sitzen auf ausgetrockneten Äckern und kämpfen um die letzten Brunnen. Menschen verlassen den Senegal – im letzten Jahr kamen rund 1000 Senegalesen nach Deutschland – dieses Jahr werden es deutlich mehr sein.