27.11.2015, 20.15 Uhr

NATURFILMNACHT WIESBADEN
„WER HAT ANGST VORM BÖSEN WOLF?“

27. November 2015, 20:15 Uhr
Murnau-Filmtheater
Eintritt: 10 Euro
Länge: ca. 2,5 Stunden (mit Pause)

 

Wölfe, Luchse und manchmal sogar Bären sind zurück in Deutschland und vielleicht auch bald im Taunus zu beobachten. Was den Naturfreund erfreut, schafft aber auch Probleme und neue Herausforderungen. Filmemacher Axel Gomille hat sich mit dieser Thematik beschäftigt und zeigt seine Filme „Wölfe im Visier“ und „Bären auf dem Vormarsch“.
Moderiert wird die dritte Naturfilmnacht von ZDF-Regisseur Andreas Ewels.

wildlebender Wolf, Lausitz
wildlebender Wolf, Lausitz

Film 1: Wölfe im Visier

In Deutschland breiten sich Wölfe immer weiter aus – rund 25 Rudel sind es inzwischen. Obwohl sie streng geschützt sind, werden die Tiere immer wieder illegal abgeschossen.

Ist es der Wunsch, einen Jagdkonkurrenten aus dem Weg zu räumen, oder doch die uralte Angst vorm bösen Wolf? Müssen wir uns über die steigende Zahl der Wölfe Sorgen machen, oder ist es ein Erfolg für den Artenschutz?

Zu den Wolfschützern zählen kann sich seit neustem das Landeskriminalamt Sachsen. Die Beamten dort ermitteln gegen einen unbekannten Schützen, der im Frühjahr 2014 in der sächsischen Lausitz einen Wolf erlegte. Das Tier war der Vater eines Wolfsrudels. Ein herber Verlust, denn alleine kann seine Partnerin die Jungen nicht versorgen. Im Laufe des Sommers stellt sich heraus, dass alle Welpen gestorben sind – vermutlich an Hunger. Eine einzige Kugel hat eine ganze Familie von streng geschützten Wölfen dahingerafft. Kein Einzelfall – obwohl der Wolf eine der seltensten Tierarten Deutschlands ist und bei uns und in der Europäischen Union theoretisch strengen Schutz genießt.

Der Abschuss eines Wolfs ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die mit hohen Geldstrafen und Gefängnis geahndet werden kann. Warum zeigt das nicht die gewünschte abschreckende Wirkung? Weshalb schlägt den Wölfen noch immer solcher Hass entgegen?

Trotz illegaler Abschüsse gibt es immer mehr Wölfe bei uns. Sie kommen sogar bis vor die Tore Berlins oder Hamburgs – und jedes Jahr werden es mehr. Sollten wir uns darüber Sorgen machen? Wo stammen die Tiere her, wie weit wandern sie? Müssen wir überall in Deutschland mit Wölfen rechnen? Der Zoologe und Filmemacher Axel Gomille begibt sich auf Spurensuche und folgt Wölfen und Wolfsforschern, Kriminalbeamten und Genetikern, um zu beleuchten, wie wir uns mit den Wölfen arrangieren können.

Braunbär (c) Jens Klingebiel www.tierfilmer.info

Film 2: Bären auf dem Vormarsch

Die Bären sind los: Immer wieder wandern wilde Bären durch die Alpen nach Norden und durchstreifen dabei die Schweiz. Nicht alle Eidgenossen sind darüber glücklich, denn die großen Wildtiere hinterlassen Spuren: geplünderte Bienenstöcke, verschreckte Wanderer, getötete Haustiere. Schäfer fürchten um ihre Existenz. Dass einzelne Bären auch wieder bis nach Deutschland kommen, ist wahrscheinlich. Vor allem junge Männchen legen auf der Suche nach neuen Revieren weite Strecken zurück und könnten jederzeit bei uns auftauchen.

So wie „Bruno“, der im Frühjahr 2006 die Republik in Atem hielt: Es war die erste Sichtung eines wilden Bären in Deutschland, seit hier der letzte seiner Artgenossen vor 170 Jahren niedergestreckt wurde. Sein Schicksal wurde zum Politikum: Der damalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärte Bruno zum „Problembären“ und ließ ihn abschießen. Im Gegenzug erhielt Stoiber Drohungen von entrüsteten Tierschützern. Das Image der Bären schwankt noch immer zwischen niedlichem Teddy und mordgieriger Bestie.

Aber können wir heute überhaupt wieder Seite an Seite mit Bären in Europa leben? Und wenn ja – wie? Diesen Fragen geht die Biologin Alexandra Sallay in Rumänien nach, dem Land mit dem höchsten Bärenbestand in der Europäischen Union. Mehrere tausend Braunbären streifen hier noch durch die Karpaten, doch nicht alle bleiben im Wald. Einige zieht es immer wieder in Städte und Dörfer, wo sie den Müll der Menschen nach Fressbarem durchsuchen. Eine Situation, die durchaus gefährlich werden kann. Um Konflikten vorzubeugen, möchte Bärenforscherin Alexandra Sallay vom Verein zum Schutz der Biologischen Vielfalt (ACDB) eine Familie von „Müllbären“ fangen und sie zurück in den Wald bringen.

Das ZDF-Team ist dabei, wenn rumänische „Müllbären“ von der Stadt zurück in die Natur „umgesiedelt“ werden, wirft einen Blick in die Schweiz, wo Bewohner mittlerweile Ihre Mülltonnen gegen Bärenbesuch sichern und fragt, ob Bayern diesmal besser vorbereitet ist auf die Ankunft von Bären. Denn „Brunos Brüder“ sind schon auf dem Weg.